ADHS-Spektrum
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INADHS-Dimension

Interozeption

Dein Körper sendet Signale. Manchmal empfängst du sie erst, wenn sie sehr laut sind.

So fühlt sich das an

Wahrnehmung innerer Körpersignale wie Hunger, Durst, Müdigkeit, Emotionen.

Wie oft merkst du erst spät, dass du hungrig oder durstig bist?

Du merkst erst, dass du den ganzen Tag nichts gegessen hast, wenn du plötzlich erschöpft oder reizbar bist.

Wie oft ignorierst du körperliche Signale bis zur Unerträglichkeit?

Du bist seit Stunden müde, aber du merkst es erst, wenn deine Augen brennen und du kaum noch denken kannst.

Wie oft fällt es dir schwer, Gefühle oder Bedürfnisse zu benennen?

Jemand fragt: Was brauchst du gerade? und du weißt es nicht – du spürst nur, dass etwas nicht stimmt.

Wie oft vergisst du Pausen oder Grundbedürfnisse?

Du sitzt stundenlang am Schreibtisch und merkst erst, als dein Körper protestiert, dass du ihn vernachlässigt hast.

Wie oft merkst du erst im Nachhinein, dass du überfordert warst?

Erst wenn du zusammenbrichst oder explodierst, merkst du: Ah, ich war wohl die ganze Zeit überfordert.

Ich merke oft erst, dass ich hungrig bin, wenn ich panisch werde.

Mein Körper redet mit mir. Ich muss nur lernen, seine Sprache früher zu verstehen.

Warum passiert das?

Was dahintersteckt

Interozeption ist die Wahrnehmung innerer Körpersignale – Hunger, Durst, Müdigkeit, Herzschlag, Emotionen. Viele Menschen mit ADHS haben eine verminderte oder verzögerte Interozeption. Das bedeutet nicht, dass die Signale fehlen, sondern dass sie erst sehr spät ins Bewusstsein durchdringen.

Neurobiologischer Mechanismus

Die Interozeption wird über das insulare Cortex verarbeitet, der Informationen aus dem Körper sammelt und an den präfrontalen Cortex weiterleitet. Bei ADHS kann diese Verarbeitung durch Aufmerksamkeitsdysregulation gestört sein: Der Fokus liegt so stark auf externen Reizen, dass interne Signale übersehen werden.

Einordnung

Schlechte Interozeption führt zu vergessenem Essen, Übermüdung, vernachlässigter Selbstfürsorge und plötzlichen emotionalen Ausbrüchen. Das ist keine Selbstvernachlässigung, sondern ein Wahrnehmungsproblem.

Was hilft?

1Regelmäßige Check-ins

Setze dir Erinnerungen für Hunger, Durst, Toilette, Pausen. Nicht, weil du dumm bist, sondern weil dein Gehirn das nicht von allein regelt.

2Body-Scan kurz

Einmal am Tag bewusst durch den Körper gehen: Was spüre ich gerade? Brauche ich etwas?

3Externe Struktur für Mahlzeiten

Feste Essenszeiten, vorbereitete Snacks, Wasserflasche immer sichtbar. Mach es dem Gehirn leicht.

4Emotionen als Körpersignale lesen

Wenn du plötzlich reizbar bist, frage: Habe ich geschlafen? Gegessen? Getrunken?

5Pausen vor dem Zusammenbruch

Plane Ruhe ein, bevor du sie brauchst. Recovery ist keine Belohnung, sondern Wartung.

Quellen & Weiterführendes

  • Huberman Lab Podcast #37 – Interozeption
  • Soler-Gutiérrez et al. (2023) – Emotional dysregulation in ADHD
  • Sol Smith – Neurodivergent Recharging

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